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Ausstellung #05 | 03/2012 Europäische Expressionisten

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler kam Dix 1909 an die Kunstgewerbeschule nach Dresden. Er war ein fleißiger, wissbegieriger und ehrgeiziger Kunstschüler – auch schon während Grund-Schulzeiten. Während und kurz vor – sowie nach dem ersten Weltkrieg experimentierte er zunächst mit futuristischen, kubistischen und dadaistischen Formen, bis er 1920 bei dem Stil eines schonungslos offenen Realismus blieb, mit dem er sich parallel schon seit 1912 aus einander gesetzt hatte. Damals, zur Kaiserzeit, schulten ihn seine Lehrer an den Maltraditionen der (nördlichen) Renaissance und der Holländischen Schule.

 

Namentliche Vorbilder an deren Werke er künstlerisch ausgebildet wurde waren Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Jan van Eyck und Hans Baldung. Seelisch prägend war für Dix das desstruktive Erlebnis als Zugführer eines Maschinengewehrzuges von 1914-1918 Dienst zu tun. Vor Beginn dieses Infernos war er für den Krieg, danach war er ein entschiedener Gegner dieses Infernalischen Zerstörungswerkes menschlichen Wahnsinns. Hier entstanden auch die Kriegszeichnungen und die berühmten 48 Feldpostkarten, die im Museum Gera zu sehen sind.

 

Am bekanntesten sind diejenigen seiner Gemälde, welche der Neuen Sachlichkeit (Verismus) zugerechnet werden. Ebenfalls wichtig waren für Ihn die kosmischen Bilder, die leider heute zum großen Teil verschollen sind. Hier wurden Themen bearbeitet, die in Verbindung standen zu den Planeten, der Weiblichkeit und Männlichkeit, der Liebe und den galaktischen Sternensystemen wie sie zu jener Zeit bekannt waren. Damals in Dresden, nach Beendigung des ersten Weltkrieges, fand sich eine Gruppierung von Künstlern zusammen, die ihrer Unternehmung den Namen Dresdner Sezession – Gruppe 1919 gaben.

 

Genau zu dieser Zeit wurde das mittlerweile Verbotene Kokain zu einer Art Virus, der sich in Windeseile ausbreitete. Man wollte leben, den schnellen Erfolg, man wollte vergessen und eine Nacht-Welt, eine künstliche Welt neu erschaffen. Diese Sezessionskünstler wollten revoltieren, auch gegen die Unsitte der Kokainsucht und zugleich das System auf den Kopf stellen, stets die schauerlichen Kriegserlebnisse als Soldaten des ersten Weltkriegs als Antriebsfeder im seelischen Hintergrund.

 

Als Revanchisten konnte man Sie kaum bezeichnen, denn Sie waren Kriegsgegner geworden. Jawohl, sie lebten damals das Einstimmigkeits-Prinzip. Neue Mitglieder konnten nur dann in die Gruppe 1919 aufgenommen werden, wenn alle damit einverstanden waren. Beschlussfähig war man dann, wenn zwei Drittel der Gründungsmitglieder zu einer entscheidenden Sitzung anwesend waren.

 

 

Hier ein Auszug aus der Gründungsurkunde:

 

(Sinngemäß widergegeben – abgedruckt im Buch von Rainer Beck und erschienen im Verlag der Kunst – Dresden (Philo Fine Arts GmbH) 2003 – ISBN – 3-364-00389-0.

 

1.)

 

Die Sezession Gruppe 1919 wird von einer Anzahl Künstler gebildet, die im Sinne ihrer Kunst ideelle Unternehmungen vorhaben, zum Beispiel Ausstellungen oder auch die Aufführung von Theaterstücken und so weiter, welche Sie, wie auch ihre Kunst notwendiger Weise von den bisherigen Künstlern trennen. Die Hauptgrundsätze sind: Wahrheit, Brüderlichkeit und Kunst. Damals hieß es weiter im Gründungsmanifest: Der Elan der Zeit hat die Gruppe 1919 hervorgebracht – und der kommende könnte sie vernichten. Wir werden dazu beitragen (gemeint ist unser Austritt) indem wir den kommenden den Weg bereiten, auf dem wir uns jetzt schon befinden.

 

2.)

 

Neue Künstler der Gruppe können nur einstimmig von sämtlichen Mitgliedern der Gruppe aufgenommen werden. Entscheidend ist jedes Mal der Mut und die innere Überzeugung – die aus den Werken des (Bewerbers) und auf zu nehmenden sprechen: Anderen Dresdner Künstler Vereinigungen an zu gehören ist nicht erlaubt. Auswärtige Zugehörigkeiten müssen mit einer 2/3 Mehrheit der Gruppe 1919 – abgesegnet werden. Der Ausschluss eines Mitgliedes kann durch einen Einstimmigen Beschluss aller Mitglieder erfolgen.

 

3.)

 

Die Gruppe ernennt einen Vertrauensmann und einen Stellvertreter, die gemeinsam die Geschäfte der Gruppe erledigen. Zur Erledigung der laufenden Angelegenheiten ruft, auf Antrag und in wider- kehrendem Rhythmus, der Vertrauensmann eine ordentliche Versammlung ein. Diese ist Beschlussfähig, sobald 2/3 der Mitglieder versammelt sind. Ausstellungen werden in Dresden nur als Gruppe veranstaltet. In besonderen Fällen können nach Beschluss Ausnahmen gemacht werden. Juriert werden die Ausstellungen von allen Mitgliedern der Gruppe gemeinsam. Die Gründer sind Conrad Felixmüller, Hugo Zehder, Otto Dix, Otto Schubert, Lasar Sagall, Constantin von Mitschke – Collande, Will Heckrott und Vladimir Scheftowitzky.

 

Während seiner Zeit als Soldat verlor Dix seine seelische Unschuld und vor allem wurde ihm ein Neues, bösartiges Menschenbild von den Zeitgeschehnissen aufgedrängt. Von da an veränderte sich für ihn das Wesen des Menschen auf dämonische Weise. Das protokollieren und zeichnerisches Darstellen des Kriegsgrauens wurde Grundbestand seines bildnerischen Lebensentwurfs. Zu Beginn der zwanziger Jahre gibt er gemeinsam mit der Galerie Nierendorf die Radierungscollection (Mappe) der Krieg (Kriegsmappe) heraus, die ihn mit einem Schlag Landauf und Landab berühmt macht, und die ein Resultat seiner Kriegszeichnungen ist. Später wird ihn die schonungslose Offenheit und sein Mut, den Krieg und seine grauenhaften Zustände zu kritisieren –den Job als Professor kosten. Man definiert weine Arbeit als entartet und verfolgt ihn.

 

1922 lernt er in Düsseldorf seine Ehefrau Martha kennen und von 1925 bis 1927 lebt er in Berlin, wo die Großstadtbilder und Bildnisse wie „Anita Berber“ oder „Sylvia Harding“ entstehen. Hier treibt er seine Bildniskunst im Sinne einer kritisch analytischen Menschenschau zu höchster Blüte um kurz darauf nach Dresden zurück zu kehren, wo er von nun als Professor lehrend tätig war, bis ihn die Nazis in die Walachei jagten. Seine Kunst wurde als entartet diffamiert und die Gestapo ließ ihn von nun an nicht mehr aus den Augen. Selbst als er und Martha das weit abseits gelegene und neu erbaute Haus in Hemmenhofen bezogen, bekam er wöchentlichen Atelier Besuch von den Mordbeauftragten des Reichsführers SS – Heinrich Himmler.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg war sich der ehemalige Revoluzzer nicht zu schade, auch religiöse Themen darzustellen. Was er lebenslang betrieb war, alles und jeden um ihn herum, zeichnerisch dar zu stellen – quasi bis zum letzten Atemzug.

 

 

Downloads

 

Europ Expressionisten Deutsch Englisch.pdf

 

 

 

Quickinfo

 

Europäische Expressionisten

 

Vernissage Samstag: 31.März 17.00 – 21.00 Uhr

 

Dauer der Ausstellung: 31. 03. 2012 bis 22. 04. 2012

 

Finissage: 22.04. 2012 11.00 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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